WortSchatz

Was ist eigentlich ein Kinkerlitzchen? Warum zieht es wie Hechtsuppe? Und was soll diese grüne Neune sein? Unsere Textkategorie “WortSchatz” ist die Fundgrube von Praxis. Hier graben wir nach Urgesteinen der Sprache, schürfen nach goldenen Zeichen und fördern allerlei verborgene Bedeutung zu Tage.

Foto: Anna-Lena Schlitt

Born to be … brav. Brav? Das klingt nicht nach Easy Rider, nach Wind in den Haaren, Freiheit und wilden Abenteuern. Könnte es aber – wären nicht ein paar Jahrhunderte dazwischen gekommen.

Brav hat seinen Ursprung im lateinischen barbarus, der Barbar, was so viel bedeutet wie wild und unkultiviert. Über das vulgärlateinische brabus lebt das Wilde im spanischen bravo weiter – der wilde Stier, der Toro Bravo, lässt grüßen. Im Land der Stierkämpfe verschiebt sich die Bedeutung dann von wild zu wütend, aber auch zu tapfer und tüchtig.

Im 15. Jahrhundert verliert bravo auf seinem Weg über Italien und Frankreich (brave) nach Deutschland seine wilde Seite. Brav ist von nun an, wer geeignet, brauchbar oder tüchtig ist. Zur Zeit des 30-Jährigen Krieges erlangt brav – wohl unter romanischem Einfluss – seine Tapferkeit zurück. Das englische brave ist bis heute ungemein mutig.

In Deutschland hingegen verlässt brav spätestens mit Einsetzen des 19. Jahrhundert, zur Blüte des Bürgertums, der Mut. Gemeinsam mit der Tapferkeit tritt er zugunsten von Gehorsam zurück. Und das gilt bis heute. Brave Bürger und brave Mädchen sind in aller Munde. Der brave Bürger ist ein rechtschaffener Mann, bieder und folgsam. Das brave Mädchen, der Traum aller Erwachsenen, hält sich an Regeln, ist artig, ja gehorsam. Das Wilde ist gezähmt.